• RAin Lüdicke

Das Drohen mit der Veröffentlichung von Nacktbildern ist bereits versuchte sexuelle Nötigung

Aktualisiert: 14. Mai 2019

Am 09.04.2019 hat sich das OLG Hamm zum Versuchsbeginn bei der sexuellen Nötigung nach § 177 Abs. 2 Nr. 5 StGB geäußert. Das Versuchsstadium ist grundsätzlich dann erreicht, wenn der Täter unmittelbar zur Tat angesetzt hat. Hier kommt es immer auf die Vorstellung des Täters an!


Der Verurteilte brachte die damals 17 jährige Schülerin dazu, ihm Nacktbilder zu schicken. Diese verwendete er danach dazu, sie zu sexuellen Handlungen zu bringen. Er drohte, die Bilder bei Facebook zu veröffentlichen und in der Schule des Mädchens auszuhängen, wenn sie die sexuellen Handlungen nicht vornehme.


Das Amtsgericht Herford verurteilte den Angeklagten zunächst im Jahr 2018 wegen versuchter Vergewaltigung zu einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten. Der Angeklagte legte daraufhin Berufung ein und das Landgericht Bielefeld sprach ihn frei. Das Berufungsgericht war nämlich der Ansicht, der Angeklagte habe nach seiner Vorstellung noch nicht unmittelbar zur Tat angesetzt. Mit anderen Worten bedeutet das: Der Täter konnte glaubhaft machen, dass nach seiner Vorstellung der Tat zwischen dem Drohen mit der Veröffentlichung der Nacktbilder und der Tathandlung an sich, noch weitere Schritte nötig waren.


Hiergegen legte wiederum die Staatsanwaltschaft Revision ein und wollte diese rechtliche Würdigung überprüft wissen. Das Revisionsgericht entschied dann, dass der hiesige Täter unmittelbar zur sexuellen Nötigung angesetzt habe, als er die Geschädigte zum Vollzug sexueller Handlungen bringen wollte, indem er mit der Veröffentlichung von Nacktbildern drohte. Die Sache wurde somit wieder an das Berufungsgericht zurückverwiesen.


Wie können denn nun drei verschiedene Gerichte auf ein anderes Ergebnis kommen? Wir schauen uns mal die einzelnen Entscheidungen an:


Die Entscheidung des Amtsgerichts Herford kann inhaltlich nicht überprüft werden, da diese nicht veröffentlicht wurde. Das OLG Hamm kritisierte an der Entscheidung des LG Bielefeld insbesondere, dass das Gericht die Anforderungen an das unmittelbare Ansetzen zum Versuch zu hoch setzte. Denn nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes kann ein unmittelbares Ansetzen zur Tat bereits dann angenommen werden, wenn mindestens ein Tatbestandsmerkmal verwirklicht worden ist. Dieses Merkmal ist somit nicht starr, sondern muss für jede Tat individuell geprüft werden. Das Landgericht Bielefeld stellte jedoch lediglich auf die Vorstellung des Täters ab.


Wir erinnern uns: Der Täter schrieb der Geschädigten, wenn sie nicht bestimmte sexuelle Handlungen vornehme, veröffentliche er Nacktbilder von ihr bei Facebook und in ihrer Schule. Hierbei handelt es sich um eine Nötigungshandlung. Und die Nötigungshandlung findet sich wieder in § 177 Abs. 2 Nr. 5 StGB. Also hat er bereits ein Merkmal der Norm (Sexueller Übergriff; sexuelle Nötigung; Vergewaltigung) erfüllt, obwohl die sexuelle Handlung selbst noch gar nicht begonnen hat. Dies überzeugt insbesondere deswegen, weil die Norm des § 177 StGB die sexuelle Selbstbestimmung schützen soll. Und diese ist auch dann beeinträchtigt, wenn jemand droht, Nacktbilder zu veröffentlichen. Die Geschädigte war hier zum Zeitpunkt der Tat im Übrigen noch minderjährig.


Jedem sollte bewusst sein, dass das Verschicken von Bildern im Internet weitreichende Konsequenzen haben kann. Eltern sollten bereits früh ein Verständnis für das Thema Internet bei ihren Kindern fördern und einen strengen und konsequenten Umgang mit Medien vermitteln.


Bei dem Medienratgeber www.schau-hin.info können Eltern, Kinder und Jugendliche Tipps für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet und Medien sammeln.

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